Das Heute und Morgen der Stadt Bochum

Bei der dritten Veranstaltung von BOLOG am 24. Februar 2016 im Blue Square standen die offensichtlichen und die geheimen Qualitäten von Bochum im Vordergrund – aber auch die Themen, bei denen die Stadt noch Entwicklungspotential oder Nachholbedarf hat. Auf das Podium eingeladen waren vier Gäste, die auf unterschiedliche Art durch ihren Beruf und ihr alltägliches Leben in Bochum die Stadt mitgestalten: Dr. Markus Bradtke, der in Bochum geboren und aufgewachsen ist und seit Herbst 2015 als Baudezernent die bauliche Entwicklung der Stadt verantwortet; Dietmar Spohn, der als Kind des Ruhrgebiets nach einem Ausflug nach Halle und Leipzig froh ist, zurück zu sein und als Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke eng mit der Stadt verbunden ist; Romy Schmidt, die nach vielen unterschiedlichen Stationen in Bochum angekommen ist und das Potential der Stadt für ihr Prinz Regent Theater nutzt und Dr. Sven Schäge, der im Rahmen seiner Arbeit für das Horst Görtz-Institut für IT Sicherheit und Kryptologie auch Studierende aus dem In- und Ausland beim Ankommen in Bochum unterstützt. Lebhaft und interessiert mitdiskutiert haben auch die über 100 Gäste im Publikum.

Ausgangspunkt der Diskussion war die Frage danach, was das Bochum von heute eigentlich auszeichnet. Die vielen Liebeserklärungen an die Stadt von Podium und Publikum wurden durch die Benennung von konkreten Eigenheiten konkretisiert:

  • Dorf und Großstadt in einem: Diese Gegensatzpaar beschreibt eine doppelte Qualität: Obwohl man räumlich und im übertragenen Sinne menschlich nur kurze Wege in der Stadt zurücklegen muss, hat man doch an vielen Stellen ein großstädtisches Angebot. Diese doppelte Begabung trifft auch für den Uni-Campus zu, der durch die Öffnung in die Stadt profitiert.
  • Die Unfertige: Bochum hat an vielen Stellen Freiräume, die Spielräume für die Entwicklung neuer Ideen, für das Ausprobieren und das Temporäre bieten. Mit diesen Freiräumen sind sowohl konkrete Leerstände gemeint als auch Lücken im Angebot und der Infrastruktur, die Neues zulassen.
  • Die geteilte Stadt: Bochum ist wie viele Ruhrgebietsstädte in reichere und ärmere Stadtteile geteilt. Diese beiden Teile zusammen zu denken ist eine besondere Herausforderung für die Entwicklung von Bochum.
  • Die schöne Stadt? Die Gestaltqualität von Bochum wird von vielen nicht als die überzeugendste Qualität der Stadt betrachtet. Ihr Charme wird vor allem durch die Bewohnerinnen und Bewohner geprägt. Umso wichtiger scheint es, die Orte zu identifizieren, die besondere gestalterische Qualität haben und sie ins Licht zu rücken.

Was tut sich? Wo ist Bewegung?

Bochum verändert sich stetig. Neben alten und neuen Handlungsfeldern im Planungsbereich der Stadtverwaltung (z. B. Fokus Innenstadt, Wohnen als Teil von Planung, nördliche Stadtteile, Vermittlung des Bildungsstandorts) gibt es auch Entwicklungen, die viel stärker aus bürgerschaftlichem oder privatwirtschaftlichem Engagement stammen: Nach der Entwicklung im Ehrenfeld hat sich auch das Viertel am Kortländer sehr verändert: es ist mit einer ganzen Reihe von neuen Angeboten aufgeblüht und erweitert die Innenstadt nach Norden. Positive Entwicklungen auf einer ganz anderen Ebene sind die Neugründungen von Unternehmen im Bereich der IT-Sicherheit: Sie geben nicht nur den Gründern selbst Arbeit, sondern setzen auch wirtschaftliche Impulse in allen Bereichen – vom Vermieter über das Catering bis zum Hausmeister. Wichtig für diese Entwicklungen ist eine gute Infrastruktur. Hier kommen die Stadtwerke ins Spiel, die beispielsweise im Augenblick für eine verbesserte Versorgung mit Breitband-Internet in Studierendenwohnheimen sorgen.

Was bleibt noch zu tun?

Diese Frage lässt sich in einem Abend nicht umfassend bearbeiten. Wünsche, Anregungen und Visionen von Podium und Publikum geben aber Hinweise darauf, in welche Richtungen in Zukunft weiter gedacht werden könnte. Sie reichten von dem Wunsch nach dem Kiezcafé, in dem man sich morgens vor der Arbeit austauschen kann über das bezahlbare Wohnen für alle in der Stadt bis hin zum Bedarf an einer engagierten Lokalpresse. Die Leerstände in der Stadt stärker als Potential zu betrachten und zu nutzen, war ein weiteres Anliegen ebenso wie die Stärkung von grünen Bewegungsräumen in der Stadt. Kontrovers diskutiert wurde hingegen die strategische Positionierung der Stadt im Ruhrgebiet mit den beiden starken Nachbarn Essen und Dortmund: Sollte man hier eine konkurrenztaugliche Marke weiterentwickeln, die sich an herkömmlichen Exzellenzkriterien orientiert oder sollte man lieber die eigenen Zweit-Liga-Qualitäten für das „gute unaufgeregte Leben in der Nachbarschaft“ nach vorne stellen? Ein Vorschlag aus dem Publikum, Stadtspaziergänge zu Alltagsorten und nicht nur zu den Leuchttürmen anzubieten, um das Authentische der Stadt besser kennen zu lernen, könnte hier beim Denken helfen – und eine gute Verwendung für die von den Stadtwerken gesammelten Lieblingsorte der Bochumerinnen und Bochumer bieten.

Viel Stoff also für weitere Diskussionen mit BOLOG!

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